Die Stadtgemeinde Bremen macht sich auf den Weg eine Schwammstadt zu werden. Durch einen gesamtstädtischen Arbeitsprozess soll das Thema Schwammstadt für die Stadtgemeinde Bremen strukturiert, fokussiert und konkretisiert werden und ein verbindlicher Rahmen zur Stärkung der effizienten Bewirtschaftung von Niederschlagswasser vor Ort geschaffen werden. In Zusammenarbeit aller relevanten Verwaltungs- und verwaltungsnahen Akteure entsteht ein Handlungskonzept Schwammstadt: Ein gesamtstädtischer Fahrplan für alle planenden und umsetzenden Akteure, um mehr Blau und Grün und einen neugedachten Umgang mit Regen in der Stadt Bremen zu etablieren. Dieser soll im Anschluss in die Stadtteile getragen werden und zusammen mit den Beiräten und weiteren Interessensgruppen konkretisiert werden.
Das Prinzip der Schwammstadt gilt als wichtiges Konzept zur Abmilderung der Auswirkungen des Klimawandels und zum Erhalt der Lebens- und Aufenthaltsqualität. Grundsätzlich zielt es ab auf die Fähigkeit einer Stadt, Regenwasser lokal zu speichern und es dann durch Verdunstung, Versickerung oder nach einer Wiedernutzung verzögert abzugeben, anstatt es zu kanalisieren und direkt abzuführen. Die Schwammstadt nähert sich dem natürlichen Wasserkreislauf und ist ein vielversprechendes Instrument zur Anpassung an den Klimawandel. Der ganzheitliche Ansatz des Schwammstadtprinzips umfasst Lösungen sowohl für ein Zuviel an Wasser, als auch ein Zuwenig an Wasser, wie es im Zuge des fortschreitenden Klimawandels in Bremen häufiger der Fall sein wird.
Die Entwicklung Bremens zur Schwammstadt erfolgt durch eine effiziente Bewirtschaftung von Niederschlagswasser vor Ort. Erzielt wird dies durch die Integration verschiedener Bausteine zur lokalen Speicherung und späteren Versickerung, Verdunstung und/oder verzögerten Abgabe nach Nutzung von Regenwasser. Dazu zählen Bausteine zur Verdunstungskühlung wie beispielsweise Straßenbäume, Verdunstungsbeete, verdunstungsfähige/versickerungsfähige Straßenbeläge und Dach- und Fassadenbegrünung, sowie technische Bausteine zur Speicherung von Regenwasser wie beispielsweise Zisternen und Rigolen.
Bei allen positiven Eigenschaften und dem Mehrfachnutzen der Schwammstadt stößt das Prinzip der Schwammstadt jedoch auch auf klare Grenzen: Bei extremen Starkregenereignissen trifft innerhalb kurzer Zeit sehr viel Niederschlagswasser auf die Oberfläche, welches angesichts limitierter Aufnahmekapazitäten jedoch nicht vollständig versickert oder gespeichert werden kann. Daher wird sich allein durch Schwammstadtmaßnahmen auch unter allergrößten Anstrengungen nicht vermeiden lassen, dass es in Zukunft bei extremen Starkregenereignissen zu lokalen Überflutungen kommt. Gleiches gilt für Überschwemmungen aufgrund von Binnenhochwasser oder Sturmfluten.
Aus diesem Grund bildet die Schwammstadt eine von drei parallel und gleichrangig zu behandelnden Säulen der wassersensiblen Stadt, neben der Hochwasservorsorge und der Starkregenvorsorge. Zwischen diesen Handlungssträngen bestehen zum Teil starke Synergien. So können Schwammstadtbausteine, wie Dachbegrünungen, Tiefbeete oder Zisternen durch die Verzögerung und Verminderung des Abflusses zur Starkregenvorsorge beitragen. Jedoch können diese Schwammstadtmaßnahmen weitere Aktivitäten der Starkregenvorsorge wie beispielsweise Notwasserwege, Verhaltensvorsorge und baulichen Objektschutz nicht ersetzen und partielle Überflutungen nicht komplett verhindern.
In Bremen gibt es bereits zahlreiche Pilotprojekte mit. Es bestehen jedoch noch zahlreiche Herausforderungen, die eine flächenhafte und standardisierte Umsetzung von Schwammstadtbausteinen hindern, darunter:
Zunächst werden im Rahmen eines „verwaltungsinternen“ Prozesses mit allen relevanten Verwaltungsakteuren sowie weiteren „verwaltungsnahen“ Akteuren Lösungsansätze für bisherige Hemmnisse bei der Umsetzung von Schwammstadtbausteinen (z.B. unklarer Rechtsrahmen, Workflow, Zuständigkeiten, Finanzierungsmöglichkeiten, Musterlösungen) erarbeitet und geprüft sowie Fokusräume für Schwammstadtbausteine identifiziert. Der Fokus liegt auf sogenannten Gelegenheitsfenstern, dort wo Schwammstadtbausteine im Zuge von sowieso geplante Umbau- oder Neubaumaßnahmen integriert werden können. Damit soll ein im Prozess ebenfalls abzustimmendes Leitbild Schwammstadt gangbar gemacht und entsprechende Maßnahmen künftig ressourcensparend umgesetzt werden können. Das Handlungskonzept Schwammstadt ist somit ein „Transformationsprozess“ und ein „Produkt“ zugleich und umfasst folgende Inhalte:
Für dieses Dokument sind folgende Inhalte vorgesehen:
Der Schwammstadt-Entwicklungsprozess wird durch das Referat 43 „Anpassung an den Klimawandel“ gesteuert und verfolgt das Ziel, in einem Arbeitsprozess der relevanten Verwaltungsakteure bis voraussichtlich Ende 2026 einen gesamtstädtischen Fahrplan aufzustellen. In dem Strategieprozess geht es unter anderem darum, Fokusräume und Gelegenheitsfenster für die Schwammstadt gesamtstädtisch zu identifizieren, zu prüfen, ob und wie rechtliche Aspekte perspektivisch angepasst werden können und Informations- und Arbeitsflüsse künftig verbessert werden können, um Gelegenheitsfenster im Sinne der Schwammstadt effektiv zu nutzen. Die jeweils relevanten Akteure arbeiten zusammen in insgesamt neun Arbeitsgruppen und erarbeiten gemeinsam Lösungsoptionen zu den jeweiligen Themenbereichen. Langfristiges Ziel ist es, dass die Integration von Schwammstadtbausteinen künftig zum neuen „Normal“ wird, und stets mitgedacht wird, immer wenn irgendwo neu gebaut oder saniert wird.
Anschließend ist eine Beteiligung der Beiräte und weiterer Interessensgruppen geplant, um stadtteilspezifische Herausforderungen zu identifizieren und konkrete Maßnahmen auf Stadtteilebene zu konkretisieren. Das Handlungskonzept Schwammstadt Bremen soll bis Mitte 2028 räumlich konkretisiert und ergänzt werden.
Der Entwicklungsprozess „Handlungskonzept Schwammstadt Bremen“ wird unterstützt durch das EU-Förderprojekt Pathways2Resilience.